"Triple Play" - Telefonieren, Internet und Fernsehen aus einer Leitung
von Rudi Kulzer
Auf der IFA 2006 in Berlin hat der Vermarktungsslogan "Triple Play" die Verbraucher erreicht. Neue Flatrate-Pakete auf der Basis einer geeigneten Triple-Play-Technik sollen den Kunden schmackhaft gemacht werden und so den angeschlagenen Telekom-Carriern aus der Patsche helfen. Doch worum es sich dabei handelt ist nur Wenigen bewusst.
Triple-Play oder Triple-Play-Services (triple = engl. dreifach) steht für eine Art Kommunikationspaket, das aus einer schnellen Internetanbindung, Telefonieren im Internet und Online-Videodiensten besteht. Vor diesem technischen Hintergrund bemühen sich derzeit alle Anbieter von Breitbandanschlüssen, nicht nur den Zugang zur Verfügung zu stellen, sondern durch Internettelephonie und Internetfernsehen neue Umsätze zu schaffen und daraus Profite zu erwirtschaften. Das gilt für die großen Telekom-Carrier ebenso wie für die Anbieter des Kabelfernsehens oder Internet-Dienstleister.
Der Begriff Triple-Play ist noch relativ jung. Seine Anfänge liegen aber - weltweit betrachtet - nicht bei den Anbietern von Breitbandzugängen für das Internet, sondern vielmehr bei deren Konkurrenz, beim Kabelfernsehen. Kabelnetzanbieter rüsteten ihre Netze bereits seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts für die Kombination der drei Medien aus. Gerade in den USA war in den Anfängen des Internets für Verbraucher das dortige Kabel-TV, das über Cable-Modems einen schnellen und preiswerten Zugang zum Internet bot, der wichtigste Zugangs-Provider. Der Anteil gegenüber DSL-Lösungen lag bei etwa 70 Prozent. In Deutschland war das nicht der Fall, da die Deutsche Telekom zu diesem Zeitpunkt beide Netze - Telefon und TV-Kabel - besaß.
Doch die TV- Kabelanbieter haben bis heute nicht geschafft, Sendungen und Filme auf Abruf (Video on Demand) liefern zu können, was konkurrierende Breitbandanbieter versprechen. "Video on Demand" bedeutet, dass man sein eigenes persönliches Programm zusammenstellen und dieses einfach abrufen kann. Dies gilt sowohl für das Empfangen von TV-Programmen wie auch für den Online-Mieten von Videofilmen. Das Kabelfernsehen liefert bisher nur herkömmliches Broadcasting (Rundfunk im wörtlichen Sinn) und keine Abrufmöglichkeiten. So sehen alle Anbieter in Zeiten eines verschärften Wettbewerbs in schnellen Breitbandanschlüssen in denen Triple-Play-Services angeboten werden ihre Zukunftschance.
Der Druck ist groß! Zuletzt mussten nämlich immer mehr Anbieter sinkende Umsatzzahlen hinnehmen. Diese werden damit begründet, dass ein regelrechter Preiskampf um die billigen Breitbandzugänge ausgebrochen ist. Alle Wettbewerber müssen mit preiswerten, attraktiven Angeboten, auf den Markt, der eine veränderte Situation berücksichtigt: Mittlerweile sind viele Haushalte mit einem schnellen Internetzugang ausgestattet, Tendenz steigend. Dies hat dazu geführt, dass Internet-Telefonie (Voice over IP oder VoIP) schon lange kein Spielzeug mehr für Technikfreaks ist, sondern eine anerkannte Telefontechnik der Zukunft. Mit Triple-Play geht diese Entwicklung nun eine neue wesentlich breit angelegte Angebotsphase, bietet doch diese Technik Anbieter und Kunden die Möglichkeit, Internet und die Mehrwertdienste Voice over IP und Fernsehen auf Bestellung zusammenzufassen zu lassen.
Doch das Angebot Triple Play bedeutet nicht automatisch eine höhere Kundenbindung, denn der der Kunde muss zunächst in hohem Maße zufrieden gestellt werden. Dies ist angesichts der vielen Problemen, mit denen Kundendienste praktisch aller Anbieter zu kämpfen haben, eine enorme Herausforderung. Darüber hinaus gibt es noch immer zu viele technische Schwierigkeiten mit den Leitungen und den anfälligen Routern. Um als zuverlässiger Kundenpartner und Anbieter von Triple Play gelten zu können, müssen die Breitbandanbieter noch einiges verbessern. Welcher Kunde will schon bei einem Provider bleiben mit dem er ständig Probleme hat.



