Mobile Möbel
Nicht nur Mitarbeiter sollen immer flexibler werden. Der moderne Arbeitsplatz ist eine Symbiose aus Vernetztheit, Mobilität und Kommunikation. Ergonomie wird aber auch in Zeiten von Teleworking groß geschrieben.
von HARALD HORNACEK
Alles dreht sich, alles bewegt sich, auch im Büro. Wenn sich, wie heute, die Rahmenbedingungen im täglichen Wirtschaftsleben und die Arbeitsformen rasant verändern, hat das nicht nur Auswirkungen auf unsere Wertesysteme, sondern auch auf unsere Büro-Umwelt. "Büro ist heute dort, wo man vernetzt ist", ist man bei Bene überzeugt. Das mobile Büro ist Kerngedanke der neuen Arbeitswelt. Franz Gurtner von Wiesner-Hager unterstreicht diese Ansicht: "Die Forderung nach mehr Flexibilität bedarf vor allem zunehmend offener, reversibler und leicht veränderbarer Raum- und Einrichtungskonzepte, die sich auf wechselnde Anforderungen rasch anpassen lassen." Die schönen Worte in die Praxis übersetzt: Neue Arbeitsformen wie Team- und Projektarbeit müssen ebenso berücksichtigt werden wie die neuen Kommunikations-Aspekte im Arbeitsbereich, bis hin zu "non territorialen Arbeitsplätzen", wie es Gurtner nennt, oder "nomadische Büros". Einen eindeutigen Trend zu mobilen und flexiblen Büroeinrichtungen stellen alle Hersteller fest. Kein Wunder, steigen doch die Teilzeitarbeitsverhältnisse, was dazu führt, dass sich Mitarbeiter oft den Arbeitsplatz bzw. den Schreibtisch teilen.
Rasches Handeln
Um mobiles Arbeiten im Büro zu ermöglichen, gehen die Büromöbelerzeuger getrennte und doch gemeinsame Wege. Wiesner-Hager hat dafür das Möbelkonzept "Float&Process" verwirklicht: Prinzipiell werden dabei Arbeitstisch und Technik (PC, Bildschirm, Drucker, Telefon, etc…) unter einen Hut gebracht. Denn man kann die IT-Infrastruktur in einer eigenen, stromversorgten Powerstation bündeln und den mobilen Arbeitstisch "im Handumdrehen" (so der Prospekt) zum Besprechungstisch umfunktionieren. Float&Process bietet auch Sitz-/Steh-Arbeitsplatzvarianten, beispielsweise für die kurze "Stehbesprechung" zwischendurch.
Neue Wege im Konferenzbereich geht dansk interieur design mit dem Konzept der flexiblen Arbeitstische: Mehrere Schreibtische können zu einem Konferenztisch umgestellt werden. Mobile Caddys für persönliche Schreibutensilien werden ebenso angeboten wie Arbeitstische auf Rollen oder Schreibtische, die flexibel vergrößert oder verkleinert werden können (Anbausystem). Höhenverstellbare Schreibtische, mobile IT-Säulen auf Rollen, Paravents auf Rollen - alles ist möglich im modernen Büro. Aber es soll auch unter dem Strich etwas bringen. Effizienzsteigerung ist das Schlagwort der Stunde, die zunehmende Bedeutung von Besprechungen und Konferenzen ein zweites. Hanna Müller, Marketingchefin bei Bene: "Diese Entwicklung ist in neuen Büro-Layouts bereits eindeutig ablesbar. Diese stellen immer mehr Zonen und Bereiche zur Verfügung, welche die formelle und informelle Begegnung der Mitarbeiter und damit das Innovations- und Wettbewerbspotenzial des Unternehmens selbst steigern." Diesem Ansatz folgend, hat der Produzent mit "Compact Office" eine Lösung in petto, die auf den inviduellen Arbeitsplatz und dessen Ausstattung genauso Bezug nimmt wie auf das gesamte Arbeitsklima in der Abteilung. Die Unterteilung in kommunikative Zentren (ComOffice), Verwaltungs- und Einzeltätigkeiten (Back Office) und technische Inseln sowie Stau- und Garderoberäume (Support Tools) hat Bene so konsequent wie kaum ein anderer Anbieter umgesetzt.
Kabelsalat ade
Optischer Segen für die meisten Büroräume: Durch vermehrte Verwendung von Laptops fällt der übliche "Kabelsalat" weg. Kabelkanäle werden in Zukunft beim Schreibtisch kaum noch notwendig sein, und der Vormarsch der "bluetooth"-Technologie, der kabellose Einstieg ins Internet, fördert diese Entwicklung auch. Ebenfalls unübersehbar: Der Trend zu offenen, freundlichen, hellen Büroräumlichkeiten. Arbeitskojen sind out - statt vieler kleine Räume setzt man verstärkt auf größere Büroeinheiten. Wer sich um seine Mitarbeiter bemüht, muss hierbei allerdings mit Vorsicht agieren. Jeder Mensch braucht eine gewisse Intimzone. Flexible Trennwände oder Paravents sollten daher von Anfang an in das neue Bürokonzept einfließen, detto sogenannte "Time Out-Bereiche" für die Mitarbeiter. Somit sollen Kommunikation und Entspannung gefördert werden, auch wenn der Chef anfangs freilich schon mal erklärend eingreifen muss: "Am Anfang hat sich kaum einer einen Kaffee trinken getraut", schmunzelt der steirische Feinkosthändler Karl Schirnhofer über die Neugestaltung der Zentralbüros, die auch eine eigene Coffee-Zone für seine Mitarbeiter bietet. Aber in Zeiten, wo sich auch die Dienstgeber flexibler zeigen wollen - "wichtig ist bei uns, dass der Job gemacht wird, wenn man dazwischen Kaffee trinkt, stört das niemanden" (Schirnhofer) - sind solche Dinge langsam selbstverständlich. Und das mit gutem Grund: Laut Bene entstehen rund 80 Prozent der kreativen Ideen aus informeller Kommunikation zwischen den Mitarbeitern! Daher hat Bene auch ein entsprechendes neues Konzept entworfen, das eine Verbindung aus Büro und Entspannungszone darstellt und bezeichnenderweise "Coffice" heißt.
Schöner empfangen
Der erste Eindruck entscheidet - auch beim Betreten eines Büros. Daher glaubt Heidi Bjerregaard von dansk interieur design, dass "vermehrt auch Wert auf repräsentative Büroeinrichtung gelegt wird. Büroräume und Bürogebäude im allgemeinen werden auch in Österreich immer schöner!" Im Zentrum stehen Design und Exklusivität bei der Einrichtung von Eingangshallen, Foyers, Rezeptionen, Konferenzräume oder Chefbüros. Vermehrt sei auch der Bedarf an schönen, pfiffigen Accessoires - Papierkörbe, Garderoben, Bodenaschenbecher, Schreibutensilien - festzustellen. Und letzten Endes werden die Büroräumlichkeiten immer mehr zum Ausdruck des Selbstverständnisses eines Unternehmens. Firmenchef Schirnhofer hat darauf geachtet, dass die Farben seines Logos auch in den Büroräumen zu finden sind. Oder man lässt sich gleich eigene Produkte fürs Büro anfertigen: Für das IBM-Hauptquartier in Österreich entwickelte Neudörfler Büromöbel einen speziellen Desk-Sharing-Caddy, mit dessen Hilfe sich die Mitarbeiter flexibel Arbeitsplätze "teilen" können. Gag daran: Mit dem Caddy kann sich der Mitarbeiter an jedem beliebigen freien Arbeitsplatz via Computer einloggen.
Werkstoff-Wechsel
Die sich verändernde Geschäftswelt hat auch Auswirkungen auf die Auswahl der Materialien im Büro. Die gewisse "Wohnqualität" spielt dabei laut Neudörfler eine zentralere Rolle als früher. Bei Stühlen orten die Branchenexperten einen "Materialmix", wobei Metall (Silber, "Alu-like") gegenüber Holz eindeutig an Bedeutung gewinnt. "Neben Holz liegt in der Bürowelt nach wie vor Aluminium und Glas stark im Trend", sagt Bene-Marketinglady Müller. Auch Kunststoff findet zunehmend Akzeptanz. Bei Büromöbeln im allgemeinen sind vor allem helle Hölzer und helle Kunststoffdekore (wie Ahorn oder Winterweiss) gefragt. Bei Drehstühlen gewinnen Netzrückenlehnen an Bedeutung, die neben ansprechendem Design auch ergonomische Vorteile bieten. Und um dem "Volksleiden Rücken- und Kreuzschmerzen" Einhalt zu gebieten, setzen Kunden und Produzenten vermehrt auf ergonomisch durchdachte Drehstühle.
Der Preis ist nicht alles
Trotz aller Innovationsleistungen kann sich aber auch die Büroausstatter-Szene nicht dem Diktat des Preises entziehen. "Die Entscheidungskriterien beim Kauf einer neuen Büroeinrichtung sind leider üblicherweise Preis, Qualität, Design und Ergonomie", seufzt danks-design-Lady Bjerregaard. Sie würde lieber natürlich lieber eine andere Reihenfolge sehen: Qualität, Design, Ergonomie und Preis. Doch bis sich diese Erkenntnis durchgesetzt hat, werden wohl noch viele Bürosessel ausgetauscht werden.
Quelle: www.wirtschaftsverlag.at



